Schreib’s auf Bairisch!

Lesungen zu den Volkstheatertagen - Dramenwettbewerb

Beschreibung

Was ist Heimat? Welche Geschichten gibt es in unserer Region? Wie sieht modernes Volkstheater aus? Mit diesen und ähnlichen Fragen setzt sich der Spielplan des Landestheaters Niederbayern bereits seit Jahren auseinander, Dialekt-Stücke sind immer eine wichtige Säule im Programm.

 

Zum zweiten Mal begeisterten die Niederbayerischen Volkstheatertage

Die Resonanz auf den Aufruf des Landestheaters Niederbayern, Stücke auf (nieder-)bairisch, von (Nieder-)Bayern oder in (Nieder-)Bayern spielend für einen Dramenwettbewerb unter dem Motto „Schreibs auf bairisch“ einzureichen, war riesig – rund 50 Wettbewerbsbeiträge gingen beim Theater ein. Für die Lesungen am 5./6. Mai in Landshut und 12./13. Mai 2018 in Passau wurden insgesamt fünf Stücke ausgewählt, die vom Ensemble des Theaters vorgetragen (mit: Paula-Maria Kirschner, Katharina Elisabeth Kram, Laura Puscheck, Antonia Reidel, Ella Schulz; Julian Niedermeier, Reinhard Peer, Stefan Sieh, Joachim Vollrath) und von zwei Jurys bewertet wurde. Die sechs Jurymitglieder Michaela Schabel, Uta Spies und Andreas Fuchs (Landshut) sowie Dr. Edith Rabenstein, Dr. Bernhard Forster und Werner Reinisch (Passau) vergaben jeweils bis zu zehn Punkte in den Kategorien „Dramaturgischer Aufbau“, „Sprachliche Gestaltung“ und „Spannung/Bühnenwirksamkeit“. Insgesamt konnten die Wettbewerbsbeiträge also bis zu 180 Punkte erreichen.
 
Als klarer Sieger mit 161 Punkten und deutlichem Abstand vor seinen Mitbewerbern setzte sich der Münchner Autor Ralph Wallner durch. Stücke des Dramatikers, Schauspielers und Sängers wurden bereits vom BR aufgezeichnet, so zum Beispiel „Verhexte Hex“ und „Gspenstermacher“. Sein Erstlingswerk „Der Kartlbauer“ wurde vom Chiemgauer Volkstheater produziert und ebenfalls für das Fernsehen aufgezeichnet. Neben Stücken schreibt Wallner auch Gedichte und Kurzgeschichten, komponiert und dichtet Liedtexte. Sein Wettbewerbsbeitrag „Nebelreißn“ ist das bisher tragischste Stück aus seiner Feder und wird vom Autor selbst als „Hommage an die Meister der alpenländischen Literatur wie Ganghofer und Anzengruber“ bezeichnet. Im Zentrum des ländlichen Dramas steht eine Frau, die seit fünfzehn Jahren auf einer Almhütte lebt – ein vermeintlicher Seitensprung hat sie von Mann und Sohn weg und dorthin ins Exil getrieben. Selbst nach dem Tod ihres Mannes ist ein Neubeginn für die Ausgestoßene nicht mehr möglich – eine Annäherung an ihren inzwischen erwachsenen Sohn scheitert. Als der totgeglaubte, angebliche ehemalige Liebhaber überraschend wieder auftaucht, keimt kurz die Hoffnung auf ein glückliches, normales Leben auf. Doch Verrat, Lügen und Intrigen haben ihr Leben weiterhin fest im Griff.
 
Außerdem standen folgende Stücke im Dramenwettbewerb: "Unser oide Kath" (eine Bauernhof-Komödie von William Danne, ins Bairische übertragen von Johann Anzenberger), "Fäustel und Meißel" (Schauspiel von Kurt Schürzinger), "Boandlkramerblues" (Komödie von Roland Beier) und "Geistnandl" (Ein tragikomisches Theaterstück um eine historische Person von Thomas Schmid). Alle Finalisten erhielten für den Einzug in die Endrunde ein Preisgeld in Höhe von 150 Euro, Ralph Wallner durfte sich über den Hauptpreis in Höhe von 500 Euro freuen.
 
Die Niederbayerischen Volkstheatertage und voraussichtlich der Dramenwettbewerb sind auch für die kommende Spielzeit geplant und werden im April 2019 in Landshut und Passau stattfinden. Nähere Informationen werden noch bekanntgegeben.
 
 
  

 

Ansprechpartner ist Dramaturg Peter Oberdorf.

Foto: Schauspieler Stefan Sieh und David Moorbach bei einer Lesung der ersten Niederbayerischen Volkstheatertage im Frühjahr 2017.